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VS THE WORLD – AUS DEM BAUCH HERAUS

Falls ich in diesem Bericht etwas überschwänglich klingen sollte, sei mir verziehen – aber ich bin Fan! Erst seit kurzem zwar, aber hier gibt es Gründe genug euphorisch zu sein. Heutzutage klingen doch Band-Demos meist schon sehr professionell produziert und glatt, oder? Hier ist das anders, zum Glück! Hier kracht und rumpelt es, hier fiept und kreischt es, Perfektion ade, Bauchgefühl hi. Ja, das klingt befreiend und es hat eben auch so verdammt viel Gefühl drin, Frische und Naivität im positiven Sinne mit Reflexion und Tiefgang in den Texten. Das ist es, was diese Songs so ansprechend macht und mich seit einigen Tagen nicht mehr loslässt. Das sind vs the world. Mit dem bestmöglichen Bandnamen hat das Trio 2019 losgelegt. Ich stelle euch hier einige ihrer Songs vor und hab der Band dazu Fragen im Proberaum gestellt.

vs the world, ist das eure erste Band, oder wart ihr auch vorher schon musikalisch aktiv? Wie habt ihr zusammengefunden?
Iris und Lukas haben bereits vorher in der Band LiBiDo zusammengespielt, mit der wir auch eine sehr, sehr laut gemixte EP rausgegeben haben. Unser damaliger Drummer ist aber bereits nach dem zweite Gig ausgestiegen, da unsere musikalischen Ausrichtungen nicht mehr gepasst haben. Annika, die wir schon vom Vorkurs her kannten, traffen wir einige Zeit später an einer WG-Party wieder. Sie spielt bereits seit der Schulzeit Schlagzeug – gelangweilt von den ständig gleichen Übungen, hatte sie richtig Lust in die Band einzusteigen und was Neues zu probieren. Anfangs tingelten wir durch diverse Bandräume in St.Gallen und wir sind froh, nun hier einen fixen Ort gefunden zu haben. Den Raum teilen wir uns mit der Band Bearpit.

Strolling through the steady noise – Piss Yellow Stars

Mit dem zweiten Song auf der Split EP hattet ihr mich bereits auf eurer Seite. Das Intro, der Gesang und der Gitarrensound wecken Assoziationen zum ersten Dinosaur jr. Album. Welches sind eure Einflüsse und was inspiriert euch Songs zu schreiben?
Unser gemeinsamer Haupteinfluss ist sicher Gitarrenmusik. Das geht von Punk über Metal bis Shoegaze. Es treffen aber auch unsere sehr individuellen Vorlieben aufeinander. Annika hört aktuell viel Deutsch-Rap, Iris kommt aus der Metal und Hardcore-Punk Ecke und Lukas steht auf japanische Punkbands – die Ging Nang Boyz sind seine absolute Lieblingsband. Lukas ist auch derjenige, der damit am konkretesten eine Vorstellung verfolgt, wie vs the world klingen soll. Die Garage- oder Sonic Youth ähnlichen Einflüsse, liefern Iris und Annika. Die verschiedenen Einflüsse sind uns überhaupt sehr wichtig, da unsere Musik sonst wohl eher eindimensional ausfallen würde. Wir versuchen auf jeden Fall nicht wie Band xy zu klingen, sondern suchen unseren eigenen Weg.

Paint an exit door to flee – Pigeon Blue

Der Erföffnungs-Track der neuen sad sells EP schlägt eine ähnliche Richtung ein. Der leicht melancholische Gesang ist tragendes Element, anfangs gradlinig, bricht der Song gegen den Schluss wild aus. Wie und wo habt ihr die EP aufgenommen?
Das geschah alles an einem Wochenende hier im Proberaum. Alle Instrumente haben wir live eingespielt und den Gasang danach noch separat aufgenommen. Bei den Aufnahmen hat uns unsere Kollegin Jade geholfen. Sie verfolgt selber diverse Bandprojekte und kennt sich einfach sehr gut in Sachen Nischenmusik aus. Sie hat die Aufnahmen dann auch in ihrem Studio in der Nähe von Zürich unter unserer Mithilfe gemixt. Gemastert wurde das Ganze von Dani, einem Kollegen und Musiker, der in Berlin lebt.

We’re sitting in a golden cage – Age of Rats

Schlag auf Schlag geht es weiter. Age of Rats ist ein schneller Punk-Knaller. Für den Song habt ihr auch ein Video gemacht. Wer genau sind die Rats bzw. das Age of Rats? Um was geht es in dem Song?
Dazu hat Iris den Text geschrieben. Es geht um die Konsumgesellschaft. Die Idee dahinter ist, dass wir Menschen einen so grossen Abfallberg hinterlassen, auf dem schlussendlich die Ratten die Überhand gewinnen. Sie können sich noch ewig lange von unseren Resten ernähren und sind die einzigen, die davon profitieren. Das Video dazu haben wiederum zwei Kollegen von uns aus Berlin gedreht. Als sie bei uns zu Besuch waren, haben sie kurzerhand die Masken und die kleinen Figuren gebastelt und mit dem Dreh begonnen. Iris hat dann auch im Video mitgewirkt und das ganze Material zusammengeschnitten.

I made it past the black hole – Star Pilot

Schalten wir einen Gang zurück. Weiter geht es in bester Shoegaze-Manier mit Star Pilot. Die flirrende Gitarre, die reduzierten, schleppenden Drums und der sphärische, spärliche Gesang, mit diesen epischen Textzeilen, machen diesen Song zu einem absoluten Gänsehaut-Moment und Höhepunkt auf dem Album.

If you’d see me now you’d be so proud
I made it past the black hole
If you’d see me now you’d be so proud
As I conquered the void

Wie verläuft bei euch das Songwriting? Geschieht das im Kollektiv? Wer schreibt die Texte?
Das ist sehr unterschiedlich. Grundsätzlich beteiligen sich alle an den Songs. Oft ist es so, dass einfach jemand mit einem Grundgerüst oder einem Riff für einen Song in den Proberaum kommt und wir dann zusammen daran weiter arbeiten. Iris macht sicher Songwriting-Technisch und für die Arrangements am meisten. Auch an den Texten beteiligen sich alle. Das führt dazu, dass wir oft verschiedene Textschnipsel in einen Song integrieren. Die passen dann thematisch vielleicht nicht immer zu 100% zusammen, schaffen aber auf jeden Fall die passende Atmosphäre. Annika schreibt zum Beispiel die emotionalsten und persönlichsten Texte, von ihr stammt Generic Punk Rock Love Song. Wir sehen uns nicht als explizit politische Band. Aber klar, wir sind alles Menschen, die in dieser Gesellschaft klar kommen müssen bzw. stellen wir uns immer wieder die Frage, wie wir am besten darin klar kommen können. Man kann unsere politischen Meinungen also durchaus zwischen den Zeilen herauslesen.

Musikalisch wie auch optisch, strahlt bei euch alles in schönstem Do-It-Yourself Glanz. Was ist für euch der Antrieb die Dinge selber in die Hand zu nehmen?
Für uns ist es einfach das Naheliegenste – Videos selber schneiden, Shirts und Patches selber drucken und auch das Booklet für sad sells, dass haben wir alles komplett selber gemacht. Wenn du willst, dass etwas gemacht wird, musst du es eben selber machen. Mit den vorhandenen Mitteln das zu machen und zu erreichen was möglich ist, darum geht es doch! Ein zweiter Aspekt ist, dass es für uns als Punkband nicht in Frage kommt, billige und unter menschenunwürdigen Umständen produzierte T-Shirts aus China zu verkaufen. Dieser Punk-Mindset wird unserer Meinung nach auch immer weiterleben, solange es Gründe gibt frustriert zu sein.

Wie geht die Reise mit vs the world weiter, was sind eure nächsten Ziele?
Wir haben leider noch nicht so viele Konzerte gespielt, da kurz nach unserem Start Covid aufkam und wir dadurch ausgebremst wurden. Wir wollen also in nächster Zeit vor allem so viel wie möglich live spielen. Hier in St.Gallen ist es uns wichtig, uns mit anderen Bands und Musikschaffenden zu vernetzen und uns so weiterzuentwickeln. Was uns sicher reizen würde – und was auch schon angedacht ist – wäre eine kleine Tour durch Deutschland mit Rats Run Riot – die Band von Dani aus Berlin. Wir proben regelmässig einmal in der Woche und haben aktuell noch viele angefangene Songs, die darauf warten fertig geschrieben zu werden.

Einen neuen Hardcore-Song hat mir die Band dann noch vorgespielt und der lässt keinen Zweifel daran, dass diese Band weiterhin relevant bleiben wird. Live gibt es die Band am 30.10. an der bandXost Qualifikation im Gare de Lion in Wil zu sehen. Von mir gibts jetzt schon die volle Punktzahl!
Hier könnt ihr euch das Album sad sells in voller Länge anhören. CDs davon gibt es direkt bei der Band.


VS THE WORLD
GG Annika – drums, vocals
Iris – bass, vocals
Lukas – guitar, vocals
Alben: Split mit Bearpit (2021), Sad Sells (2021)
VS THE WORLD auf Bandcamp: https://vstheworld.bandcamp.com/
VS THE WORLD auf Instragram: https://www.instagram.com/vs.the.world.band/