Cosmic Space Girl

Cosmic Space Girl – intergalaktische Disco-Punx

Cosmic Space Girl, stellt euch doch bitte vor. Wie lange spielt ihr schon zusammen und woher kommt ihr musikalisch. Gab es davor noch andere Bands?
Beeinflusst von Grunge und Punk ging es 1997 los, als Cornelius die Band Flaky Pastry gründete. Marco kam dann 2001 und Jonas 2004 dazu. Die Band entwickelte sich über Crossover und Stoner-Rock hin zu komplexen Prog-Rock Songs. Cornelius entschied sich 2008 auszusteigen und unsere musikalischen Wege trennten sich hier für einige Zeit. Jonas und Marco machten weiter und formierten anschliessend die Band Die Astronauten des Zeus. Jonas übernahm dabei den Gesang und wir tauchten immer tiefer in die Prog-Strukturen ab.
Bei Cosmic Space Girl spielen wir nun in dieser Formation und mit diesen Songs wieder seit 2012 zusammen. Die Band begann als Duo, nur mit Cornelius an der Gitarre und Marco am Schlagzeug. Als wir dann einen Bassisten suchten, mussten wir Jonas am Telefon sicher eine Stunde überreden, von der Gitarre an den Bass zu wechseln und somit auch in die Band einzusteigen.

Eure Musik ist einerseits roh und riecht nach Garage. Andererseits ist da immer wieder dieser Disco-Ansatz. Woraus zieht ihr eure Inspirationen?
Cornelius′ Ausstieg bei Flaky Pastry war auch begründet durch verschiedene musikalische Interessen innerhalb der Band. «Ich hatte damals keine Lust mehr auf diese sehr kopflastigen Song-Strukturen», sagt Cornelius. «In der Zeit, in der ich in Luzern lebte, kam ich in Kontakt mit vielen Plattensammlern, das hat mich zurückgeführt zu den einfacheren Strukturen und eingängigen Songs des Punk.» Inspiriert durch die Musik aus der Übergangsphase von Rock ′n′ Roll zu Punk, spielte er in Luzern in der Band King Gin Club Schlagzeug. Daraus ging schlussendlich Cosmic Space Girl hervor.

Zurück zu den einfacheren Strukturen und eingängigen Songs des Punk!

Wie entstehen bei euch die Songs grundsätzlich? Gemeinsames jammen im Proberaum oder Diktatur durch ein Bandmitglied?
Cornelius ist sehr produktiv! Er schreibt pro Woche fast immer einen Song – spielt alle Instrumente selber ein und sende die fertigen Songs der Band zu. Beim Proben lassen die anderen dann ihre Inputs einfliessen. Die Situation ist also auf eine positive Art ′diktatorisch′. Wir müssen eher schauen, dass wir uns in der Flut von Cornelius′ Output noch zurechtfinden und nicht den Überblick verlieren. Wir sind somit in der komfortablen Situation, dass es uns nie an tollen Songs und Song-Ideen mangelt. Vieles, was wir nicht für Cosmic Space Girl verwenden, landet auf Cornelius′ Bandcamp-Seite Bobby with the Gun, mit der er seinem unbändigen Output ein Ventil verleiht.

Ihr habt soeben euer zweites Album Destruction Extended veröffentlicht. Aufgenommen habt ihr es bei Roger Gahler im WoogieHouse in St.Gallen. Wie verlief für euch die Arbeit?
Es hat alles super gepasst! Roger hat sein Studio ja soeben aufgebaut und unser Album ist das erste, das dort von ihm aufgenommen wurde. Marco kennt Roger aus dem bandXost-Team und hat schon immer viel mit ihm über Musik und verschiedene Sounds diskutiert. Für uns stand also schnell fest, dass wir bei ihm aufnehmen möchten und haben schlussendlich zusammen im Studio sehr viel ausprobiert und uns gegenseitig weitergebracht. Wir mögen es auch, kleine, feine Spielereien in unsere Musik einzufügen. Das macht Spass und da kann man sich im Studio voll ausleben. In vier Tagen hatten wir die Basis-Tracks live eingespielt und trafen uns danach noch an einigen Wochenenden, um den Gesang und einzelne Overdubs hinzuzufügen.

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Das Cover zu Destruction Extended

Die Produktion gefällt mir sehr gut. War Roger auch ins Songwriting involviert?
Roger hat seinen wichtigen Part natürlich beim Aufnehmen und Abmischen reingebracht. Er ist ein unglaublicher Sound-Ästhet. Die Songs waren ansonsten soweit fertig, als wir im WoogieHouse mit der Arbeit begannen. Eine Ausnahme ist der Song My Branches. Den haben wir im Studio aus Gag einfach mal viel langsamer eingespielt. Roger und wir fanden das dann direkt so cool, dass wir ihn so gelassen haben. Unsere Musik lebt von Dynamik und um das auch auf Platte gut rüberzubringen, haben wir die Songs ohne Click eingespielt.

Im Gegensatz dazu, habt ihr damals 2014 euer erstes Album Inside the Giant selbst im Proberaum eingespielt. Was gefällt euch im Nachhinein besser? Studio oder selber produzieren?
Uns gefallen nach wie vor beide Platten. Das war eine ganz andere Herangehensweise damals. Die 12 Songs für Inside the Giant haben wir komplett über ein langes Wochenende aufgenommen. Das war unglaublich intensiv und anstrengend! Dadurch gibt es auf dem ersten Album aber auch eher einige Stellen, die wir heute anders machen würden. Bei Destruction Extended stimmt für uns alles! Künftig haben wir vor, einzelne Sessions bei Roger im WoogieHouse zu machen und davon Singles zu veröffentlichen.

Zu Fall Apart habt ihr ein Video veröffentlicht. Ein super eingängiger Song. Wer hatte die Idee zum Video und mit wem habt ihr es umgesetzt?
Die Idee dazu hatte Cornelius, der auch Regie geführt hat. Gefilmt haben wir das Video dann auch direkt bei Roger im Studio. Der Song thematisiert die Vermüllung und Vergiftung des Planeten durch das Handeln von uns Menschen. Dazu haben wir von Jonas′ Schule 15 Säcke mit alten PET-Flaschen ins Studio gekarrt. Leider waren in den Säcken nicht nur PET-Flaschen, sondern auch viel anderer Müll. Das hat dermassen gestunken – wir hätten die Säcke wohl vorher genauer anschauen sollen.

Was ist euch lieber: DIY oder Management?
Wir nehmen die Dinge immer selbst in die Hand und haben zum Glück viele gute Leute um uns rum die mit anpacken. Roger unterstützt uns auch live am Mischpult. Rafi und Noemi Müller helfen uns bei den Videos und den Visuals für die Konzerte. All diese Leute investieren sehr viele Stunden und Geld in diese Band. Das ist grossartig und dafür sind wir unendlich dankbar.

Live und in den Videos lebt eure Band auch von einem starken, optischen Auftritt. Steckt da ein geplantes Konzept dahinter, oder sind das eher kurzschlüssige Ideen?
Unser erster Bassist hatte damals die Idee, in Leggins und oben ohne aufzutreten. Daran haben wir bis heute festgehalten. Später kam die Idee mit den Disco-Helmen. Davon haben wir unterdessen schon mehrere Versionen ausprobiert. Die Astronauten-Helme z.B. sehen zwar super cool aus, aber wir hören damit live fast nichts, deshalb haben wir sie dann gegen normale Hüte ausgetauscht, so wie wir sie im Video zu Fall Apart tragen. Mit diesen Elementen versuchen wir auch die ernsten Themen unserer Songs optisch wieder aufzulockern. Unsere Texte sind meist sehr dringlich und kritisch, die Musik dagegen tanzbar und lüpfig. Wir mögen diese Gegensätzlichkeit. Beim Publikum kommt das ebenfalls sehr gut an, macht uns selber einfach viel Spass und ist unterdessen zum Markenzeichen geworden.


Cosmic Space Girl
Cornelius Heinzer – Gitarre, Gesang
Marco Bleiker – Drums
Jonas Gähwiler – Bass
Alben: Inside The Giant (2015), Destruction Extended (2019)
https://www.cosmicspacegirl.ch/
Cosmic Space Girl auf Facebook
Cosmic Space Girl auf Bandcamp
Bobby with the Gun auf Bandcamp
WoogieHouse auf Facebook

Geschrieben von Fish's Plattenkiste

Fundstücke aus der Ostschweizer Rock-Szene