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Locque

    Viel Atmosphäre, keine Worte

    / Das Alternative-Rock Quintett Locque [lok] aus St.Gallen, hat soeben vier neue Demo-Tracks vorgestellt. Ein guter Grund sie in ihrem Proberaum zum Interview zu treffen.

    Locque, wie kam eure Band zusammen?
    Wir, Fabian und Roman, machen schon seit 17 Jahren zusammen Musik. Unsere erste Band haben wir damals in der Sek gegründet. Nach einigen Mitgliederwechseln und einem Aufenthalt in Bern – dort spielten wir in der Band Where is Ahab – sind wir mit dem aktuellen LineUp nun seit 2014 unterwegs. Milan hat auch schon in unserem ersten Projekt Böry mitgewirkt und kam, als wir damals nach St.Gallen zurückkamen, an den Drums dazu. Sami startete seine musikalische Laufbahn als DJ und war anfangs in der Band für die Effekte zuständig. Unterdessen hat er seinen Part mit dem Keyboard vollständig ausgebaut. Neustes Mitglied ist Rolf, der den Songs neue, filigrane Klangfarben mit dem Theremin oder der Trompete verleiht.

    Da unsere Songs keine extra Botschaft brauchen, können sich die Zuhörer voll auf die Musik konzentrieren.

    Ihr spielt rein instrumentale Musik, was ist für euch der Reiz daran?
    Man kann voll darin abtauchen – das ist das Schöne daran. Es gibt keine Ablenkung von Texten, welche, wenn sie nicht ausgefeilt genug sind, schnell mal belanglos daherkommen. Da unsere Songs keine extra Botschaft brauchen, können sich die Zuhörer voll auf die Musik konzentrieren. Wir sehen uns auch eher als ein Kollektiv, dass die Songs erarbeitet. Und so kam es, dass wir unsere Musik nie zum Singen gespielt haben, sondern nur zum Spielen.

    Wie entstehen bei euch die Songs und woraus zieht ihr eure Inspiration?
    Fabian und Roman bringen die meisten Grundideen in den Proberaum, wir kennen uns musikalisch am längsten und wissen, worauf der andere jeweils hinaus will. Die anderen tragen dann ihren Teil dazu bei. Meist entstehen dabei mehrere Song-Variationen. Einiges funktioniert auf Anhieb, anderes wird mal etwas länger auf die Seite gelegt. Wir haben auch ältere Song-Ideen, aus den Tagen in Bern, aufgefrischt und somit für uns wieder interessant gestaltet.
    Inspiration ziehen wir hauptsächlich aus der Musik die wir hören. Da nimmt man vieles auf und verwertet es anschliessend zu eigenen Songs. Wir arbeiten bei unseren Songs oft mit bestimmten Bildern und Atmosphären und möchten sie künftig live vermehrt mit Visuals unterstützen.

    Die vier Demo-Tracks habt ihr im Moonrise Studio bei Alwin Büchler aufgenommen und via SoundCloud veröffentlicht, wie verlief die Arbeit?
    Wir haben diese vier Songs alle an einem Samstagnachmittag live bei Alwin im Studio eingespielt! Nachdem wir zu dieser Zeit mehrere Konzerte gespielt hatten, waren wir für die Aufnahmen perfekt eingespielt und vorbereitet. Ohne diese Routine hätten wir es wahrscheinlich nicht so reibungslos hinbekommen. Es sind zwar Demo-Songs, Alwin hat für die Nachproduktion aber noch richtig viel Arbeit reingesteckt und wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Songs haben wir dann an vier aufeinanderfolgenden Freitagen veröffentlicht.

    Es sind weniger Geschichten, sondern eher Atmosphären, die unsere Songs ausmachen.

    Obwohl ihr ohne Sänger und Texte arbeitet, erzählen eure Songs Geschichten. Was steckt hinter den Titeln In Love With The Insects (Big M, You Murderer!) oder Mohawk Blues, Lucky You!?
    Unsere Songs haben keine Botschaft im eigentlichen Sinn. Bei uns vermittelt eher jedes Lied eine gewisse Stimmung und Fabian schreibt aufgrund dessen einen passenden Titel. Die erste Hälfte des Grundriffs von In Love With The Insects, ähnelt zum Beispiel einem Song der Band Mogwai namens Killing All The Flys. Als uns das bewusst wurde, haben wir den Originaltitel für uns entsprechend umgedreht. Oder unser einzig politischer Song namens Path of the Idiots. Der entstand aus Wut über den Neonazi-Aufmarsch damals in Unterwasser. Es sind also weniger Geschichten, sondern eher die bereits erwähnten Atmosphären, die unsere Songs ausmachen.

    Online gibt es ein Live-Video von euch in Düsseldorf und Fotos aus dem Ruhrpott. Wie kam dieses Konzert damals zustande?
    Nun, wir wollten für uns eine kleine Tour organisieren und haben mehrere Clubs in Deutschland angeschrieben. Am Ende hat es dann in Düsseldorf und Dortmund für je ein Konzert geklappt. Für uns war einfach wichtig, mal weg von St.Gallen zu kommen und vor Leuten zu spielen, die uns nicht kennen. Das Feedback ist dabei direkter und die Resonanz des Publikums war bei beiden Konzerten durchwegs positiv. Deutschland ist überhaupt ein sehr interessanter Platz um Konzerte zu spielen. Alles in allem waren wir eine volle Woche unterwegs und wir hatten verdammt viel Spass zusammen.

    Was habt ihr mit Locque weiter geplant?
    Da es geklappt hat an einem Nachmittag eine EP einzuspielen, wäre es sicher auch cool in einer Woche ein ganzes Album aufzunehmen. Songs haben wir auf jeden Fall genügend parat. Bei uns sind die Songs auch nie ganz fertig, es kommen fast in jeder Probe wieder neue Details dazu. Dann wollen wir möglichst viele Konzerte spielen. Es ist immer grossartig, wenn man seine Songs einem Publikum vorstellen kann und toll, wenn immer etwas ansteht. Dadurch bleibt der Antrieb hoch. Schlussendlich knüpfen wir unseren Erfolg aber nicht an ein externes Ziel, sondern spielen für uns und den Spass an der Sache – und dafür investieren wir viel Zeit.


    Locque – Alternative Rock
    Milan: Drums
    Sami: Tasten und Effekte
    Fabian: Bass
    Roman: Gitarre
    Rolf: Theremin, Trompete, Singende Säge
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