Skiba Shapiro ist eine der interessantesten und vielseitigsten Künstlerinnen in der Region und sie arbeitet momentan an ihrem Debutalbum. Ein guter Grund ihr in ihrem Proberaum in Rorschach einige Fragen zu stellen.

Skiba, wie gehen die Arbeiten voran?
Ich bin noch mitten im Schreibprozess. Das Ziel ist 10 Songs zu veröffentlichen. Drei davon sind vom Songwriting her fertig. Mit dem Vierten und Fünften habe ich auch bereits begonnen. Ich nehme hier im Proberaum alles selber auf und gebe die Songs anschliessend an meinen Mischer weiter. Ich hatte ihm eigentlich geschrieben, dass er die Songs zirka im März erhält, es wird wohl noch etwas länger dauern. Es gibt noch einiges zu tun, Beats programmieren und Gesangslinien komponieren. Ich setzte mich aber nicht unter Druck. Die Freude und der Spass daran stehen für mich im Vordergrund.

Vor fast einem Jahr hast du den Song Melody from a Dream veröffentlicht. Ist der Song losgelöst vom Album zu betrachten oder ist er als Vorbote gedacht?
Ursprünglich war er als Vorbote gedacht. Zu dieser Zeit wollte ich mich vom Album oder EP Konzept verabschieden, da es mir nicht entspricht, eine so lange Zeit an einer Sache zu arbeiten. Ich schliesse Projekte gerne wieder ab und beginne etwas ganz Neues.
So geht es mir auch beim Musikhören. Da fixiere ich mich auf eine Stilrichtung, bis ich sie nicht mehr hören mag und dann kommt wieder etwas ganz anderes an die Reihe.
Bei Melody from a Dream habe ich damals auch wirklich noch alle Geräusche für den Song selber aufgenommen. Das ziehe ich bei den aktuellen Tracks nicht mehr so verbissen durch. Da nehme ich auch gerne einen schon vorhandenen Snare-Sound, wenn er zum Song passt.

Woraus ziehst du deine Inspiration, Musik zu schreiben?
Vor allem aus der Musik, die ich aktuell höre. Das kann auch aus einer Filmmusik oder einem Musical sein. Wenn mich der Vibe oder das Gefühl eines Songs anspricht und ich merke, dass ich so etwas selber noch nicht gemacht habe, versuche ich etwas Ähnliches umzusetzen.
Ich hatte schon unzählige verschiedene Musikhör-Phasen: Von Klassik über Michael Jackson über Metalcore bis Pop. Ich bin da sehr offen. Nur Gangster-Rap mit seinen diskriminierenden Texten, werde ich ganz bestimmt nie mögen – und Schlager! Momentan bin ich sehr fasziniert von K-Pop. Diese Musik ist zwar etwas fragwürdig „hergestellt“, mir gefallen aber die pompösen, aufwändigen Videos.

Bei meinen Live-Shows soll das Publikum möglichst tief eintauchen und den Alltag vergessen.

Was willst du deinen Zuhörern mitgeben oder in ihnen auslösen?
Dass sie den Alltag vergessen! Bei den neueren Sachen sind unterdessen auch viele Songs in Dur und weniger melancholisch. Das löst bei den Hörern hoffentlich ein gutes Gefühl aus. Bei den Live-Shows soll das Publikum möglichst tief in die Show eintauchen können. Das ist mir wichtig! Deshalb arbeite ich live auch seit längerem mit dem Tanzduo FII. Das gibt den Konzerten eine zusätzliche Ebene.
Meine Texte sind meist eher vage gehalten. Melody from a Dream ist da ein sehr gutes Beispiel wie ich texte. Ich arbeite viel mit Bildern und Metaphern.

Du machst praktisch alles im Alleingang. Wo siehst du die Vor- und Nachteile dabei?
Der Vorteil ist sicher die Unabhängigkeit. Ich muss keine Diskussionen darüber führen, wie etwas klingen soll und somit keine Kompromisse eingehen. Wenn mir etwas nicht passt, bin ich auch selber dafür verantwortlich. Ich verlasse mich also voll auf meine Fähigkeiten.
Zu früher hat sich eigentlich nicht viel verändert. Auch bei Hopes & Venom war ich immer die Hauptsongwriterin und habe Jorin gesagt was er spielen könnte. Momentan bin ich mit einer Bassistin in Kontakt, die mich künftig live unterstützen würde. Ich kann mir auch gut vorstellen live mit einer ganzen Band zu spielen. Nur den Aufwand dahinter scheue ich ein wenig.

Ein Highlight dieses Jahr ist sicher der kommende Auftritt am Open Air St.Gallen. Was waren davor deine persönlichen Highlights in deiner Karriere?
Klar, das ist sicher ein Highlight! Auch in Hinblick auf die Promo. Dadurch erreiche ich die Aufmerksamkeit eines grossen Publikums.
Das vergangene Highlight war die Show am Rock am Weiher Festival in Wil. Da waren wir der letzte Act auf der Nebenbühne und es war sehr viel Publikum da. Auch war unsere Show zu diesem Zeitpunkt perfekt eingespielt. Zusammen mit den Tänzerinnen und der Lightshow hat das, hoffe ich, einen grossartigen Eindruck hinterlassen.
Unterdessen akzeptiere ich meine Rolle auf der Bühne auch voll und nutze die Gelegenheit! Das war früher nicht so, da wollte ich am liebsten unsichtbar auf die Bühne.

Ich orientiere mich nicht mehr an externen Zielen. Der Fokus liegt ganz auf meiner Zufriedenheit und dem, was mir Freude macht.

Wo steht Skiba in 5 Jahren?
Sie ist zufrieden! Ich orientiere mich nicht mehr an externen Zielen. Das ist unterdessen meine Maxime. Der Fokus liegt ganz auf meiner Zufriedenheit und dem, was mir Freude macht. So spielt es für mich keine Rolle, ob ich in fünf Jahren vielleicht gar keine Musik mehr mache oder aber einen Swiss-Music-Award gewinne.
Diese Einstellung entspricht nicht unbedingt unserer Gesellschaft, die sich eben eher an externen Erfolgen orientiert. So habe ich früher auch funktioniert, irgendwann aber gemerkt, dass es mich eher unzufrieden macht. Es macht doch viel mehr Freude, sich über seine Leidenschaft zu definieren!

Fishs Plattenkiste
Skiba Shapiro in ihrem Proberaum in Rorschach

Skiba Shapiro – Alternative Dark-Pop
Skiba Shapiro: Alle Instrumente, Gesang, Beats, Konzept
Live: Tanzduo FII: Mina Freuler & Elina Kim
Skiba Shapiro Website

Geschrieben von Fish's Plattenkiste

Fundstücke aus der Ostschweizer Rock-Szene