Fishs Plattenkiste

Avalanche Prey – eine Energie-Lawine

Es geschieht nicht mehr so oft, dass mich ein Song von der ersten Sekunde an packt und mir danach tagelang im Kopf hängen bleibt. Avalanche Prey ist das mit ihrem Song Hollow gelungen. Ein guter Grund ihnen einen Besuch im Proberaum in Herisau abzustatten, um sie näher kennenzulernen. Für die Band stehen diesen Herbst nämlich einige grosse Konzerte, auch ausserhalb der Kantonsgrenze an.

Avalanche Prey, ihr seid seit 2009 zusammen unterwegs. 2015 habt ihr euch nochmals komplett neu erfunden. Was hat euch dazu bewogen, euch von eurer Anfangsphase zu lösen?
Genauer gesagt haben wir seit 2007 zusammen Musik gemacht, da waren wir noch mitten im Gymnasium. Nach dem Abschluss 2010 lag die Band aufgrund des Studiums für einige Jahre auf Eis. Wir beschäftigten uns aber weiterhin mit Musik und so entwickelte jeder seinen Geschmack weiter. Als wir uns wieder zusammenrauften, fühlten sich unsere alten Songs nicht mehr richtig an und so entschieden wir uns nochmals komplett neu zu beginnen – intensiver und fokussierter als zuvor.

Im November spielt ihr einige Konzerte auch ausserhalb der Ostschweiz. Zürich und Basel stehen auf dem Plan. Spielt ihr als Support- oder als Hauptband und wie kam es zu den Konzerten?
Es gibt durchaus einige Locations, die Newcomerbands Platz bieten, das Hirscheneck in Basel ist so ein Fall. Ansonsten geht es in der Regel über bestehende Kontakte. Für drei der fünf Shows haben wir uns mit Messina und OGMH zusammengetan, die kennen wir von den Chellerkonzerten und die sind uns sympathisch. Man lädt sich gegenseitig an die Shows ein, so profitieren alle von den jeweiligen Kontakten. Beide haben eine klare musikalische Idee und gewisse Ambitionen, nehmen sich dabei aber selbst nicht zu ernst.

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Wie entsteht ein Song in eurer Band und was möchtet ihr mit eurer Musik ausdrücken?
Wir haben da eine ganz eigene Herangehensweise, die sich für uns bewährt hat. Bevor wir musikalisch loslegen, sammeln wir gemeinsam Ideen über das Thema, welches wir behandeln möchten. Dann entsteht auf dem Papier die Dramaturgie der Geschichte und der Handlungsablauf. Wo sind die intensiven, lauten Stellen, wo nehmen wir uns zurück, wo setzt der Gesang ein? Mit diesem Ansatz beginnen wir dann die Musik zu entwickeln und dabei entstehen dann oft z.B. 20 minütige Sessions. Darin sind dann zwar vielleicht drei Songs enthalten, die aber eben nur in dieser Reihenfolge funktionieren, da sie thematisch eine zusammenhängende Geschichte erzählen.

Was habt ihr für 2019 geplant? Ist Hollow ein Vorbote für ein komplettes Album?
Nein, ein Album ist definitiv nicht geplant. Unser Songwriting-Prozess führt dazu, dass die meisten Songs nur mit ihren “Geschwistern” als thematisches Konzept funktionieren. Wir wollten dann aber nur einen Song aufnehmen und da stand zu diesem Zeitpunkt nur Hollow zur Wahl. Damit haben wir den Song aber zugleich archiviert – wir spielen ihn nur noch selten live.
Die Konzerte diesen Herbst dienen für uns auch als Vorbereitung auf den 23. Dezember. Dann werden wir unser aktuelles Set live einspielen, dabei Ton und Bild aufnehmen und anschliessend als Live-Clip veröffentlichen. Wir reichern dafür unser aktuelles Set zum ersten Mal auch mit Visuals und einem Lichtkonzept an. Severin, ein langjähriger Freund, hilft uns das Ganze während den Shows zu koordinieren.

Welches sind eure musikalischen Einflüsse?
Je älter man wird, desto schwieriger lässt sich diese Frage beantworten. Momentan beeinflusst uns vor allem der Post-Metal rund um The Ocean, Alcest, Mono und Solstafir. Kürzlich waren wir zusammen am Konzert der Band The Hirsch Effekt. Die spielen absolut genialen Mathcore. Es gibt aber wohl kaum Gitarrenmusik der letzten 50 Jahre, die nicht irgendwie in unser Schaffen mit einfliesst. Gerade weil wir keine musikalischen Ausbildungen genossen haben, verlassen wir uns ausschliesslich auf unser Gehör, deshalb ist diese Inspiration von aussen auch so wichtig.

Ihr habt 2010 bereits das Album Jack of all Trades rausgebracht. Spielt ihr noch Songs aus diesem Album, passen sie noch zum heutigen Band-Konzept?
Das Album ist zwar für uns als Band ein sehr wichtiger Meilenstein, für die Songs darauf haben wir aber schon lange keine Verwendung mehr, dass ist Geschichte.

Momentan ist ein Teil eures Sets auf Deutsch und ein anderer auf Englisch. Was hat euch dazu bewogen?
Genau, unser neues Material ist auf Deutsch, das ältere auf Englisch. Aber auch die neuen Songs sind mittlerweile über ein Jahr alt und das hilft uns, ein objektives Urteil zu fällen. Wir haben uns noch nicht entschieden, in welcher Sprache wir weiterfahren möchten, das werden wohl die kommenden Konzerte zeigen. Wer jetzt im Herbst an unsere Shows kommt, der sieht 25 Minuten auf Englisch, gefolgt von 20 Minuten auf Deutsch. Und beide diese Parts erzählen eine in sich geschlossene Story.

Auf facebook positioniert ihr euch klar gegen den Export, von in der Schweiz hergestellten Waffen. Fliessen solche politischen Themen auch in eure Songtexte ein?
Wenn es in die Story der Songs passt, dann kommt durchaus der ein oder andere politische Aspekt darin vor. Und da wir laute, aggressive und direkte Musik spielen, verarbeiten wir darin natürlich auch die Missstände die uns wütend machen. Wir sehen uns selbst aber nicht als politische Band wie zum Beispiel Rage Against The Machine.

Ihr engagiert euch neben der Band auch für die lokale Szene – betreibt das Internetradio meltdown und organisiert die Chellerkonzerte im C in Herisau. Könnt ihr die zwei Konzepte und den Antrieb dafür kurz erklären?
Meltdown betreiben Max, Sam und Severin bereits seit 5 Jahren. Die Idee dahinter ist es, ein zugängliches Radio mit guten aber anspruchsvollen Songs zu gestalten. Es soll die Zuhörer animieren, sich danach vertieft mit den gespielten Bands auseinanderzusetzen. Das Programm ist so aufgebaut, dass immer pro Tag ein Genre gespielt wird. Die Playlists dafür werden von fünf Personen mit unterschiedlichen, musikalischen Vorlieben zusammengestellt. Somit entsteht ein sehr abwechslungsreiches Programm. Persönlich ging es anfangs auch darum uns gegenseitig neue, spannende Bands zuzuspielen.
Die Chellerkonzerte sind dann auch im Zusammenhang mit meltdown entstanden. Wir feierten ein Jubiläum des Radios im Keller des C mit 70 Leuten. Max wohnt unterdessen auch gleich neben dem Club und so entstand die Idee, daraus eine regelmässige Veranstaltungsreihe auf die Beine zu stellen. Nun finden, ausser während einer kurzen Sommer- und Winterpause, alle zwei Wochen Konzerte dort statt. Damit wollen wir hauptsächlich den regionalen Bands eine Plattform bieten.


Avalanche Prey – Alternative-Rock
Max Nadig: Gitarre, Gesang
Eligio Amicabile: Bass, Gesang
Samuel Lutz: Drums
Severin Latkovic: Lichttechnik
www.avalancheprey.ch
www.chellerkonzert.ch
www.radio-meltdown.ch

Geschrieben von Fish's Plattenkiste

Fundstücke aus der Ostschweizer Rock-Szene