Das Disorder Bandraum-Festival findet dieses Jahr bereits zum fünften Mal statt. St.Galler Musikerinnen und Musiker, Kollektive und Bands laden alle Musikinteressierten direkt in ihre Proberäume ein. Ein aufregendes und einzigartiges Konzept! Organisator Thiemo hat mir genaueres erzählt.

Thiemo, in unserer Stadt werden die Auftrittsmöglichkeiten für Bands immer geringer. Die Idee, den Proberaum zur Bühne zu machen, passt also perfekt in diese Zeit. Wie entstand die Idee für das Disorder Bandraum-Festival?
Das ist genau das Prägende an unserem Festival. Die Bands sind immer auf der Suche nach Auftrittsmöglichkeiten, was sich nicht immer einfach gestaltet. Mit dem Disorder Festival schaffen wir für die Bands den Rahmen, um ohne grossen Aufwand ein Konzert spielen zu können. Wir reissen also eigentlich nur die Idee an – die Bands bringen sich dann selber aktiv mit ein und gestalten den Abend ganz individuell.

Jede Band, mit einem Proberaum auf St.Galler Stadtboden, kann sich für das Festival anmelden. Habt ihr nach der Anmeldefrist eher zu viel Bands zusammen, oder müsst ihr noch aktiv für das Festival werben?
Wir können eigentlich nie genug Bands am Start haben. Je mehr, desto besser! Der Zeitplan wird einfach entsprechend angepasst. Bei grosser Nachfrage, spielen die ersten Bands dann halt bereits am Nachmittag. Das Konzept erlaubt es auch, dass ganz kurzfristig noch Künstler dazukommen. Gerade vorgestern hat sich noch jemand gemeldet, der dieses Wochenende noch auftreten möchte. Das funktioniert.

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Die Locations verteilen sich über das ganze Stadtgebiet

Wie entscheidet ihr schlussendlich wer dabei ist?
Das Festival soll grundsätzlich allen Bands und Künstlern offen stehen. Wir haben auch noch nie einer Band abgesagt. Das Wichtigste ist für uns, die Vielfalt der St.Galler Musikszene zeigen zu können. Wichtig ist aber, dass z.B. auch bei elektronischer Musik noch etwas handgemacht wird. Ein reines DJ-Set kommt somit nicht infrage.

Das Festival ist kostenlos, die Bands haben praktisch keinen Aufwand. Sie öffnen ihre Proberaumtüren, entscheiden selbst, was und wie lange sie spielen. Das hat einen sehr coolen Do-It-Youself Spirit. Wird das so bleiben, oder habt ihr Pläne das Festival künftig grösser aufzustellen?
Das Festival soll definitiv so bleiben. Wir möchten keinen kommerziellen Anlass daraus entstehen lassen. Man muss auch bedenken, dass die Proberäume meist ja gar nicht so gross sind und nicht allzu viele Besucher fassen. Wir arbeiten auch komplett ohne Sponsoren. Um die Ausgaben für die Plakate, Inserate und die Website zu decken, können wir glücklicherweise auf die Hilfe einiger ausgewählter Stiftungen zählen.

Wann beginnt für dich jeweils die Organisation für das Festival?
Das Konzept des Festivals hat sich in den letzten Jahren sehr bewährt. Eine erste Planungssitzung findet jeweils im März statt, an der wir grundsätzlich entscheiden, ob wir das Festival wieder durchführen. Im Frühling gehen dann die Anfragen an die Stiftungen raus. Gegen den Sommer schreiben wir die Bands direkt an. Und kurz vor dem Festival wird es dann natürlich nochmals intensiver – Das Programm wird fixiert und die Koordination fein abgestimmt.

Du kannst an den beiden Abenden bestimmt nicht bei allen Konzerten dabei sein. Geben euch die Bands anschliessend eine Rückmeldung und wisst ihr wieviel Besucher ungefähr am Festival waren?
Ich versuche schon bei den meisten Locations reinzuschauen, ganz alle schaffe ich aber leider nicht. Die Bands geben uns aber aktiv Rückmeldungen über den Verlauf des Abends und wie die Stimmung war. Viele der Bandmitglieder kennen sich auch untereinander und es findet automatisch ein reger Austausch statt. Das Festival wird auch immer etwas bekannter und die Besucheranzahl steigt dadurch leicht an.

Spielst du selber auch in einer Band?
Ja, ich bin selber auch aktiv in Bands und spiele Schlagzeug. Am Festival, bei der Mundart-Rap Band Di übliche Verdächtige. Und auch bei All Ship Shape – Indierock/Postrock – die gerade ein neues Album aufgenommen haben und somit bald zurück auf der Bühne sind.

Fishs Plattenkiste
Di übliche Verdächtige mit Thiemo, ganz links.

Gab es bei den letzten vier Ausgaben ein persönliches Highlight für dich?
Ich bin eh Fan von den Bands! Das tollste ist immer, dass während dem Festival unter den Künstlern ein reger Austausch stattfindet. Es kommt auch vor, dass eine Band auf einmal im Proberaum einer anderen Band auftaucht. Daraus entstehen dann lange Jams – und lange Nächte.

Wo trifft man dich an einem normalen Samstagabend in St.Gallen?
Ich liebe live Musik und bin daher sehr oft an Konzerten. In St.Gallen ist das Palace momentan definitiv meine Lieblings-Location, da mich das Programm sehr überzeugt.


Disorder Bandraumfestival 28.09 und 29.09.2018
Das St.Galler Bandraumfestival steht ganz im Zeichen eines Perspektivenwechsels, der Eroberung neuer Räume und des musikalischen Experimentierens. Alle Konzerte sind kostenfrei. Die Zuschauer lassen sich ein auf die Verschiedenheit musikalischen Schaffens in dieser Stadt. Ein Wochenende lang bietet sich die Möglichkeit, einen Blick in die heiligen Hallen von Bands und Musikkollektiven zu werfen, sich Neuem zu öffnen oder Altbewährtes wiederzuentdecken. Die Proberäume befinden sich auf Stadtgebiet. Jeder Ort ist neu, jeder Ort überrascht. Denn jede Band führt die Konzerte eigenstädnig durch.
www.disorder.ch

Geschrieben von Fish's Plattenkiste

Fundstücke aus der Ostschweizer Rock-Szene